Deutsches Frauenwahlrecht hat Wurzeln in Speikern

Kunigunde Fischer

01. Februar 2019

Sozialdemokratin Kunigunde Fischer zog vor 100 Jahren in den Karlsruher Stadtrat ein.

Kunigunde Fischer ist als geborene Bachmeyer in Speikern als Tochter eines Landwirts, Mühlen- und Sägewerksbesitzers geboren. Von 1889 bis 1896 besuchte sie die Volksschule Ottensoos. 1904 heiratet sie den Buchdrucker Kaspar Fischer.

Früh hatte sie den Wunsch, sich sozial zu engagieren. Schon vor dem ersten Weltkrieg arbeitete sie für diverse Hilfsorganisationen und setzte sich dabei für Kinder und sozial benachteiligte Bürger, sowie in der Gefangenen- und Kriegsfürsorge ein. Dabei fand sie bei den Sozialdemokraten der SPD ihre Heimat und gehörte 1919 zu den ersten Frauen im Karlsruher Stadtrat. Sie legte den Grundstein für eine örtliche Kindererholung, heute eine in Karlsruhe selbstverständliche Einrichtung. Sie baute mit anderen zusammen die Arbeiterwohlfahrt auf und war ab 1925 deren Vorsitzende.

Im Januar 1919 stand die Wahl zur verfassungsgebenden badischen Nationalversammlung an und kurz danach sollte reichsweit gewählt werden. Da wollten alle Parteien dafür sorgen, dass die Wahlberechtigten ihr Kreuz an der richtigen Stelle machen. Viele Veranstaltungen richteten sich gezielt an Frauen. Ihnen hatte das Ende des Ersten Weltkriegs die staatsbürgerliche Gleichberechtigung gebracht. Erstmals hatten auch sie das Recht, zu wählen – und sich zur Wahl zu stellen.

Kunigunde Fischer hatte sich entschieden für das Frauenwahlrecht eingesetzt und wurde 1909 Vorsitzende der neu gegründeten Frauensektion der Karlsruher SPD. Die Sozialdemokratin wurde 1919 in die Verfassungsgebende Versammlung Badens gewählt und blieb bis 1933 Landtagsabgeordnete. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie sofort wieder politisch aktiv. 1946 schaffte sie als einzige Frau den Einzug in den Karlsruher Gemeinderat.

Was sagt uns das heute? Der damalige Leitspruch „Frauen lernt wählen!“ lässt sich wohl nicht mehr in die heutige Zeit transferieren. Wohl aber die Erkenntnis, dass politische Veränderung „neue“ Initiativen braucht. Da passt es ins Bild, dass in den letzten Jahren die meisten Neumitglieder der Sozis in Neunkirchen Frauen waren. Wohl finden sie 100 Jahre nach den historischen Ereignissen heute immer noch bei der SPD die größte Übereinstimmung mit ihren gesellschaftlichen Zielen.

Bezeichnend auch, dass der Neunkirchner SPD-Vorsitzende aus Speikern Alex Körber seit Kindesbeinen mit „Kindererholungen“ und später zu Kinderfreizeiten für die AWO (Arbeiterwohlfahrt) unterwegs ist. Auch in diesem Jahr wird er wieder an Pfingsten ein großes Camp der NaturFreunde mit über 300 Teilnehmern - natürlich in Karlsruhe mit organisieren.

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